Mal was Neues für die Sommerpause. In unregelmäßigen Abständen werde ich kurz interessante Fakten zum aktuellen Eishockeygeschehen zusammentragen. Schnell und effektiv eben, wie ein gutes Powerplay.

  • Wie die meisten sicher schon wissen, wurde Berlins Florian Busch vom CAS für 2 Jahre gesperrt. Unsicher ist man sich in Eishockeydeutschland allerdings noch, wie die Sperre ausgelegt wird. Gilt sie nur international oder auch national? Muss die DEL sich überhaupt darum kümmern? Wer es genau wissen will, findet hier die beiden Urteile zum Download (pdf).
  • Der Iserlohner Brad Tapper beendet seine Karriere aus anderen – unbekannten – Gründen, im Alter von 31 Jahren. Eine kurze Abschiedsnotiz von “Tapps” (Der Beweis, dass Eishockeyspieler die niedlichsten Spitznamen aller Sportler haben) veröffentlichten die Roosters auf ihrer Seite.
  • Das Eishockeymuseum in Augsburg steht vor einem Umbruch. Präsident Horst Eckert, seit 20 Jahren für den Verein aktiv und seit 10 Jahren dessen Präsident, wird sein Amt in 2 Jahren an einen Nachfolger übergeben. Derzeit werden die Räumlichkeiten umgebaut, um der Hall of Fame und dem Fraueneishockey einen Platz zu geben. Während der Eishockey-WM 2010 werden einige Exponate temporär nach Köln umziehen.
  • Nachdem die Duisburger Füchse endlich Gewissheit haben, dass sie lediglich in der Regionalliga antreten werden, sorgen sie schon wieder für amüsante Schlagzeilen. Angeblich gibt es ein Angebot, an der ersten niederländischen Liga teilzunehmen – mit einer zweiten Mannschaft. Eine Entscheidung soll in zwei bis drei Wochen fallen. Ich schlage als alternative Trikotfarbe Orange vor, vielleicht könnte man damit auch ein paar Fußballfans anlocken.
  • Die IIHF hat Regeländerungen (.pdf) zur neuen Saison herausgegeben. Kernpunkte sind dabei das Wechselverbot nach Icings, das erste Bully nach einer Strafe wird in die Defensivzone des bestraften Teams verlegt und Bullys finden auch wirklich nur noch an den Bullykreisen statt – halleluja! Den Ligen steht es frei, die Änderungen schon zu übernehmen, alle internationalen Wettbewerbe nach dem 1. Juli werden aber mit den Änderungen gespielt, also bspw. auch der Deutschland-Cup. Man kann nur hoffen, dass die Verantwortlichen hierzulande das auch früh genug mitkriegen und nicht wieder so ein Chaos entsteht wie damals bei der Einführung der “Null-Toleranz”-Auslegung mitten in der Saison. Zero Tolerance ist für die IIHF auch nochmal ein Thema (.pdf).
  • Die DEL lockert die Sommerpause auch mal mit einer unaussagekräftigen Meldung auf: Konzept zur Neustrukturierung der Nationalmannschaft -  ja wo isses denn?
  • Die Kölner Haie verpflichten einen jungen Mann, den sein Vater nach sich selbst benannt hat.

So, damit ist das heute der offizielle Schiedsrichter-Tag in diesem Blog ;)

hockeyref.de, die Webseite der Schiedsrichter, wurde (endlich) einem Facelifting unterzogen und erstrahlt in neuem Desgin. Das kann auch schon ein paar Wochen lang so sein, ich schaue da nur ab und an mal drauf, denn soviel Aktuelles gab es dort eigentlich nicht. Das scheint sich jetzt aber zu ändern, es gibt einiges an Aktuellem zu lesen. Die Seite scheint sich jetzt mehr als Portal zu verstehen, mal sehen, was daraus noch wird.

Einen Blick ist es für jeden Interessierten auf jeden Fall wert.

Wie die DEL heute bekannt gegeben hat, erhält Georg Jablukov ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk und wird ab dem 1. Januar 2009 nach Rick Looker und Daniel Piechaczek der dritte Profi-Schiedsrichter der DEL sein.

Damit wird der 36-jährige sein Arbeitspensum auf dem Eis im Gegensatz zur Vorsaison etwas mehr als verdoppeln müssen. In 07/08 hatte er 19 Einsätze als Schiedsrichter, zum Vergleich seine beiden Kollegen: Looker mit 53, Piechaczek mit 44. Andere etablierte Amateure kommen auf ähnliche Zahlen: Schimm mit 38 oder Schütz mit 35 Einsätzen. (Quelle)

Sowieso ist Jablukov einer, bei dem es ziemlich schnell ging bis hierhin, erst seit 2007 pfeifft er überhaupt DEL und jetzt schon die Beförderung zum Profi, Respekt. Und auch wenn ich etwas in meinem Gedächtnis krame, ist er mir nicht als besonders auffällig in Erinnerung, was für einen Schiedsrichter ja eine ziemliche Qualitätsauszeichnung ist.

Stellt sich nur noch die Frage, ob man als Anwalt so schlecht verdient oder als DEL-Schiedsrichter so gut, dass sich dieser Schritt auch lohnt?

Also unsere Schiris erlauben sich ja ab und schon mal einen Fehler, aber sowas hab ich auch noch nicht gesehen:

So etwas passiert zum Glück nicht allzuoft und letzten Endes hat Washington das Spiel gewonnen – zwar erst in der Verlängerung, aber Ovechkin hat es mal wieder gerichtet.

… ist nicht so leicht, wie auch Chris Kelly von den Ottawa Senators schon feststellen musste.

This much is agreed: The referees’ task is thankless.
Ottawa centre Chris Kelly knows from first-hand experience.
“I refereed a girls’ game once,” Kelly said. “They were yelling at me: ‘You don’t know the game!’”
Oh, he knows the game, all right.

canada.com (evtl. Neuladen nötig, falls der Artikel nicht sofort erscheint)

Das war übrigens auch eine der Fragen, die ich Dave McLlwain eigentlich noch stellen wollte, als ich ihn im Live-Interview hatte, ist mir irgendwie durchgerutscht. Es wäre wirklich mal interessant zu wissen, inwiefern Spieler schon Erfahrungen aus der anderen Perspektive hatten. Ich persönlich glaube, dass es kaum Eishockeyspieler gibt, die sich mal das Regelbuch geschnappt und durchgearbeitet haben und stattdessen über ihre Karriere hinweg learning-by-doing betrieben haben. Werde ich mal nachforschen müssen.

Heute beim Spiel der Haie gegen den Aufsteiger aus Wolfsburg wieder was gelernt. Beziehungsweise erstmal dumm geguckt, als der finnische Austauschschiedsrichter Jari Levonen eine Strafe wegen “Handpass” verteilte, in deren Folge das vorentscheidende 3:1 fiel, mitten in die Drangphase der Grizzly Adams Wolfsburg hinein.
Der Mann hatte Recht:

559 – HANDLING THE PUCK WITH THE HANDS BY A PLAYER
a) Any player, except the goalkeeper, who closes his hand on the puck shall be
assessed a: Minor penalty(2′)

Regelbuch 2006-2010 (engl.)

Wobei es hier um das Schliessen der Hand um den Puck ging und die Ansage “Handpass” in der Kölnarena einfach falsch war. DEL.org hat’s dann auch richtig als “Spielen des Pucks mit der Hand” ausgewiesen.

Ok, ok, so neu ist das auch nicht mehr, aber ich war erst heute mal wieder auf der Seite der DEB-Schiedsrichter und es gibt mal wieder ein neues Rundschreiben. Es ist allerdings recht harmlos, es geht um Schüsse an die Maske des Torhüters:

Für den sofortigen Unterbruch sind also zwei Faktoren von Bedeutung. Zum einen muss es sich um einen harten Schuss an den Gesichtsschutz des TH handeln und zum anderen darf sich nach dem (harten) Treffer am Gesichtsschutz keine augenblickliche Torchance ergeben.

Angesichts der Regeln zu diesem Fall geht die Aufforderung an die spielbeteiligten Teams, in derartigen Situationen weiterzuspielen. Es ist allein vom SR zu entscheiden, ob die Faktoren für eine sofortige Unterbrechung des Spiels vorliegen oder nicht.

Rundschreiben 2 Saison 2007/2008 vom 25.10.2007

Es gibt aber sicher noch Leute, die nicht wissen, dass ein von der Maske abprallender Schuss ins Tor durchaus auch als solches zählt. Interessant ist die abschliessende Forderung, an die sich grundsätzlich alle Spieler mal halten sollten: Das Spiel ist erst unterbrochen, wenn der Schiedsrichter gepfiffen hat.
Ich denke da immer an einen Ivan Ciernik, der nach einem recht offensichtlichen, aber nicht geahndeten, Foul erstmal sekundenweise das Spielen einstellt und so durchaus sein Team in der Defensive in Verlegenheit bringt. Aber da gibt es sicher noch etliche Beispiele.

Sehr interesante Dinge gehen in Iserlohn vor sich:

Die Iserlohn Roosters laden alle Fans des Clubs am kommenden Dienstag, 30. Oktober, zu einem kurzfristig organisierten Fanstammtisch in die Eissporthalle am Seilersee ein. Thema ab 19:30 Uhr sind die Schiedsrichterdiskussionen der vergangenen Tage und Wochen. Um den Fans die Möglichkeit zu geben, einen Blick hinter die Kulissen der ´DEL-Schiedsrichterei` zu werfen, haben die Iserlohn Roosters den Schiedsrichterbeauftragten der DEL, Holger Gerstberger, eingeladen. Der ehemalige Schiedsrichter wird gemeinsam mit Roostersmanager Karsten Mende über die aktuelle Roosterssituation diskutieren, aber auch einen Einblick in seine Arbeit und die der Schiedsrichter geben. Außerdem wollen beide gemeinsam umstrittene Spielsituationen per Videomonitor analysieren.

iec.de

Konstruktiver Dialog mit den Schiedrichtern, ich halte das für eine Spitzensache, genau so soll es sein. Man darf auf die Berichte der anwesenden Fans gespannt sein.
Von den “aktuellen Diskussionen” um Schiedsrichter in Iserlohn habe ich nicht soviel mitbekommen, aber die Herren in den gestreiften Trikost sind ja irgendwie immer mal wieder ein Thema – und zwar in jeder Halle.

Wenn hier zur Zeit der NHL-Anteil der Beiträge etwas höher ist, liegt es einfach daran, dass “drüben” die Saison grade losgegangen ist und ich dadurch den totalen Eishockey-Overkill erlebe. Das Internet ist einfach eine geniale Sache und auch NASN, das ich seit September empfange, trägt seinen Teil dazu bei, dass ich grade mit Eishockey fast reizüberflutet werde.

Zum Thema: der etwas martialisch betitelte “War Room” in Toronto ist die Schalt- und Walt-Zentrale der NHL an Spieltagen. Dort wird jede strittige Schiedsrichterentscheidung sofort nochmal kontrolliert, der Videobeweis wird hier durchgeführt und sowieso haben die Mitarbeiter dort jedes Spiel live auf dem Schirm. Ein Traum für jeden Eishockeyfan sozusagen. Evan Grossmann ist Fan und hat heute Nacht, am mit 14 Partien vollgepacktesten Spieltag der NHL Saison, die einmalige Chance bekommen live im War Room dabei zu sein und das allerbeste daran: er bloggt seine Eindrücke live. Einfach auf diesen Link klicken und nachlesen.
Bisher liest es sich wirklich sehr interessant und die Nacht hat grade erst angefangen.

Man kann sich den War Room kaum vorstellen, wenn man ihn nichtmal ansatzweise gesehen hat. Vor der “as live”-Übertragung des Spieles Detroit gegen Anaheim lief auf NASN eine ca. 5 minütige Reportage über eben diesen Raum in Toronto und es waren wirklich fantastische Einblicke. Was die NHL sich da aufgebaut hat ist ein kleiner Traum für technikbegeisterte Menschen und war sicher nicht ganz billig. Um mal eine Vorstellung von den Dimensionen zu bekommen, mit denen die NHL hier Aufwand betreibt: in sämtlichen Arenen der NHL werden zur Zeit neue HD-fähige Kameras installiert, deren Bilder dann in Toronto zusammen laufen. Das Ganze kostet so um die 4 Mio$, also in etwa soviel wie der neue Videowürfel in der Kölnarena. Und hierzulande gibt es DELTV, zu dem die Vereine die Aufnahmen stellen müssen und es demzufolge nicht aus allen Stadien Bilder gibt, nichtmal aus der Hälfte der Hallen sogar…

Ein ganz interessantes Interview mit Stephen Walkom, Director of Officiating in der NHL gibt es auf eishockey.com zu lesen. Und eine exzellente Frage des Interviewers noch dazu:

Es fällt auf, dass die Akzeptanz gegenüber den Schiedsrichter in der NHL wesentlich höher ist als in den Profiligen in Europa, wo mehr reklamiert und mit dem Schiedsrichter diskutiert wird. Woran könnte das liegen?

Walkom: Ich beobachte das Geschehen dort natürlich zu wenig, um Vergleiche anzustellen. Wenn ich aber von uns ausgehe, dann ist zu sagen, dass wir uns über Jahre hohe Standards in der Aus- und Weiterbildung unserer Schiedsrichter erarbeitet haben, so dass die Qualität der eingesetzen Leute stimmt. Ich darf auch hervorheben, dass wir es geschafft haben, trotz der teilweise unterschiedlichen Charaktere der Schiedsrichter, weitgehend einheitliche Linien bei der Spielleitung durchzusetzen. Die Spieler und Trainer wissen zum Beispiel und konnten sich darauf einstellen, dass seit ein paar Jahren bei bestimmten Vergehen sehr kleinlich gepfiffen wird. Wird das auch von allen umgesetzt gibt es kein Problem. So bald es hiervon aber Abweichungen geben sollte, wäre es nicht mehr tragbar und führt zu Unverständnis, Kritik und Diskussionen. Ich denke aber auch, dass der sachliche Dialog zwischen den Beteiligen, den wir sehr intensiv pflegen, ebenfalls sehr viel zur gegenseitigen Akzeptanz beitragen kann.

eishockey.com

Ich will mich garnicht lange über die hiesigen Schiedsrichter auslassen, dazu finde ich sicher an anderer Stelle noch einmal die Zeit, aber liebe DEL, lieber DEB:
- hohe Standards in der Aus- und Weiterbildung unserer Schiedsrichter
- weitgehend einheitliche Linien bei der Spielleitung durchzusetzen, trotz der teilweise unterschiedlichen Charaktere der Schiedsrichter
- sachlicher Dialog zwischen den Beteiligen, der sehr viel zur gegenseitigen Akzeptanz beitragen kann

All das wären Punkte, die auch dem deutschen Schiedsrichterwesen gut zu Gesicht stünden. Ganz klar muss man beim letzten Punkt ebenso die Spieler, Trainer und sonstigen Offiziellen in die Pflicht nehmen, genau so müssen DEB/DEL und vor allem die Schiedsrichter den offenen Dialog suchen und annehmen, auch wenn das manchmal unangenehm sein mag.

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